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Israel Shahak:
Jüdische Religion,
Jüdische Geschichte
(Book online)
23



Die Bürde der Geschichte

Es ist viel Unsinn geschrieben worden bei dem Versuch, das Judentum oder den Judaismus "als ganzes" unter sozialen oder mystischen Gesichtspunkten auszulegen. Dies ist nicht möglich, denn die soziale Struktur des jüdischen Volkes und die ideologische Struktur des Judaismus haben sich im Laufe der Zeiten tiefgreifend verändert. Es lassen sich jedoch vier Hauptentwicklungsstufen unterscheiden:

1. Die Zeit der antiken Königreiche Israel und Juda bis zur Zerstörung des ersten Tempels (587 v. Chr.) und die babylonische Gefangenschaft. (Ein großer Teil des Alten Testament befaßt sich mit dieser Zeit, obwohl die wichtigsten Bücher des Alten Testaments einschließlich der Fünf Bücher Moses, sowie wir sie kennen, erst danach abgefaßt wurden.) Unter sozialen Gesichtspunkten hatten diese antiken jüdischen Königreiche eine große Ähnlichkeit mit den benachbarten Königreichen in Palästina und Syrien, wobei sich, wie ein sorgfältiges Studium der Propheten zeigt, die Ähnlichkeit auch auf die religiösen Kulte erstreckte, die von der großen Mehrheit des Volkes praktiziert wurden. Diese für den späteren Judaismus typischen Vorstellungen einschließlich der besonderen ethnischen Abgrenzung und der monotheistischen Exklusivität beschränkten sich in diesem Stadium auf kleine Kreise von Priestern und Propheten, deren sozialer Einfluß von königlicher Unterstützung abhing.

2. Die Zeit der Doppel-Zentren Palästina und Mesopotamien von der ersten "Rückkehr aus Babylon" (537 v. Chr.) bis etwa 500 n. Chr. Diese Zeit ist gekennzeichnet durch das Vorhandensein dieser beiden autonomen und sich hauptsächlich auf den Ackerbau gründenden jüdischen Gesellschaften, denen die schon zuvor von Priestern und Schriftstellern ausgearbeitete "jüdische Religion" durch die Macht und Autorität des persischen Reiches aufgezwungen wurde. Das Buch Esra im Alten Testament enthält den Bericht des Priesters Esra, "eines gewandten Schriftgelehrten des Gesetzes des Moses". Der persische König Artaxerxes I. ermächtigte Esra, "Beamte und Richter" über die Juden in Palästina einzusetzen, damit "jeder, der nicht nach dem Gesetz Gottes und des Königs lebt, schnell verurteilt werde, sei es nun zum Tode, zur Verbannung, zur Beschlagnahme seines Gutes oder zu Gefängnisstrafen." Und im Buch Nehemia, eines königlichen Mundschenks, den König Artaxerxes zum Statthalter von Judäa mit noch größerer Machtfülle ernannte, erfahren wir, in welchem Ausmaß fremder (heute würde man sagen "imperialistischer") Druck bei der Aufzwingung der jüdischen Religion verwendet wurde, und zwar mit langanhaltenden Ergebnissen.

In beiden Zentren währte die jüdische Autonomie während des größten Teils dieser Zeit. Abweichungen von der religiösen Orthodoxie wurden unterdrückt. Ausnahmen von dieser Regel traten immer dann auf, wenn sich die religiöse Aristokratie selbst mit hellenistischen Ideen "infizierte" (von 300 bis 166 v. Chr. und danach wieder unter Herodes dem Großen und seinen Nachfolgern von 50 v. Chr. bis 70 n. Chr. ) oder sie sich als Reaktion auf neue Entwicklungen spaltete (so z.B. die Aufspaltung in die großen Parteien der Pharisäer und Sadduzäer um etwa 140 v. Chr.). Sobald jedoch eine der Parteien die Oberhand gewann, benutzte sie den Zwangsmechanismus der jüdischen Autonomie (oder, für eine kurze Zeit, der Unabhängigkeit), ihre eigenen religiösen Ansichten allen Juden in beiden Zentren aufzuzwingen.

In dieser Zeit, besonders nach dem Zusammenbruch des persischen Reiches, und bis etwa 200 v. Chr., waren die Juden außerhalb dieser beiden Zentren meist frei von jüdischem religiösen Zwang. Unter den in Elephantine (Oberägypten) erhaltenen Papyrusrollen befindet sich ein Brief aus dem Jahre 419 v. Chr. mit dem Text eines Ediktes des persischen König Darius II., das den ägyptischen Juden in allen Einzelheiten vorschrieb, wie sie das Pessach-Fest befolgen müssen. Die hellenistischen Königreiche, die Römische Republik und das frühe Römische Reich kümmerten sich jedoch nicht um solche Dinge. Die Freiheit, in der die hellenistischen Juden außerhalb Palästinas lebten, förderte eine griechisch geschriebene jüdische Literatur, die der Judaismus später in toto ablehnte und dessen Überreste die Christen vor der Vergessenheit bewahrten. Diese relative Freiheit der jüdischen Gemeinden außerhalb der beiden Zentren ermöglichte den Aufstieg des Christentums. Bedeutsam ist dabei die Erfahrung des Apostels Paulus. Als die örtliche jüdische Gemeinde in Korinth Paulus wegen Häresie anklagte, wies der römische Statthalter Gallio die Klage sofort ab und weigerte sich, als "Richter in solchen Angelegenheiten" aufzutreten, wogegen in Judäa der Statthalter Festus sich verpflichtet fühlte, diesen rein internen religiösen Streit der Juden gerichtlich untersuchen zu lassen.

Diese Toleranz endete 200 n. Chr., als die Römer die jüdische Religion so, wie sie mittlerweile in Palästina erarbeitet und weiterentwickelt worden war, allen Juden des Reiches aufzwangen.

3. Die Zeit, die wir als klassischen Judaismus definiert haben, soll nachfolgend behandelt werden.

4. Die moderne Zeit ist gekennzeichnet durch den Zerfall der totalitären jüdischen Gemeinde und ihrer Macht sowie durch die Versuche, diese wiederherzustellen. Hierbei spielte der Zionismus die wichtigste Rolle. Diese Zeit beginnt im Holland des 17. Jahrhunderts, in Frankreich und Österreich (ohne Ungarn) im späten 18. Jahrhundert, in den meisten anderen europäischen Ländern in der Mitte des 19. Jahrhunderts und in einigen islamischen Ländern im 20. Jahrhundert. (Im Jahre 1948 lebten die Juden im Jemen noch immer in der mittelalterlichen "klassischen" Zeit.) Über diese Entwicklungen soll später noch etwas angemerkt werden.

Zwischen der zweiten und der dritten Zeit, und zwar derjenigen des klassischen Judaismus, klafft eine Lücke von mehreren Jahrhunderten, über die wir heute hinsichtlich der Juden und der jüdischen Gesellschaft nur wenig wissen. Das wenige, was uns bekannt ist, stammt alles aus externen (nichtjüdischen) Quellen. Aus den Ländern des lateinischen Christentums sind bis zur Mitte des 10. Jahrhunderts überhaupt keine schriftlichen Aufzeichnungen überliefert. Die Informationen aus internen jüdischen Quellen, meist aus der religiösen Literatur, fließen nur im 11. und besonders im 12. Jahrhundert reichlicher. Für die Zeit davor sind wir zunächst vollständig auf römische Zeugnisse angewiesen. Obwohl in den islamischen Ländern die Informationslücke bei weitem nicht so groß ist, wissen wir nur sehr wenig über die jüdische Gesellschaft vor 800 n. Chr. und über die Umwälzungen, die während der drei vorangegangenen Jahrhunderte stattgefunden haben müssen.

 
Folgende Seite:
Grundzüge des klassischen Judaismusd


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Israel Shahak:
(Online)
"Jüdische Religion, Jüdische Geschichte":
Inhaltsverzeichnis: 

A/ 1- Israel - ein Utopia für Auserwählte?

B/ 6- Vorurteile und Verfälschungen

C/ 12- Orthodoxie und Interpretation

D/ 23- Die Bürde der Geschichte

E/ 33- Gesetze gegen Nichtjuden

F/ 49- Politische Konsequenzen




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