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Israel Shahak:
Jüdische Religion,
Jüdische Geschichte
(Book online)
13



Interpretation der Bibel

An dem vorherigen Beispiel wird sich noch zeigen, daß das, was die meisten angeblich gut über den Judaismus informierten Menschen zu wissen vermeinen, unter Umständen auf grobem Mißverständnis beruht, sofern sie nicht Hebräisch lesen können. Alle oben genannten Einzelheiten findet man in den Originaltexten oder in einigen Fällen in Neuhebräisch abgefaßten Bücher für eine ganz bestimmte Leserschaft. In englischen Ausgaben würde man sie vergeblich suchen, auch dort, wo die Auslassung solch sozial wichtiger Tatsachen das ganze Bild verzerrt.

Besonders unter Christen oder stark von der christlichen Tradition und Kultur beeinflußten Menschen herrscht ein weiteres Mißverständnis, nämlich die irreführende Vorstellung, der Judaismus sei eine "biblische Religion" und das Alte Testament im Judaismus nähme denselben wichtigen Platz und dieselbe gesetzgebende Autorität ein wie die Bibel für die Protestanten oder sogar für die katholische Christenheit.

Auch dies ist wieder mit der Frage der Auslegung verbunden. Wir haben gesehen, daß es in Glaubensdingen einen großen Spielraum gibt. Genau das Gegenteil gilt jedoch für die rechtliche Auslegung der heiligen Texte. Hier läßt die Interpretation kaum Spielraum, was allerdings mehr für denTalmud als die Bibel selbst gilt. Der klassische Judaismus und die heutige Orthodoxie legen vielen und vielleicht sogar den meisten biblischen Versen, die religiöse Handlungen und Pflichten vorschreiben, eine ganz andere und sogar gegensätzliche Bedeutung bei als die Christen oder die anderen Leser des Alten Testaments, die nur den nackten Text sehen. Dieselbe Trennlinie ziehen derzeit in Israel einerseits in jüdischen religiösen und andererseits in "weltlichen" hebräischen Schulen ausgebildete Menschen, denen im großen und ganzen die wörtliche Bedeutung des Alten Testaments gelehrt wird.

Diesen wichtigen Punkt kann man nur anhand von Beispielen verstehen. Man wird feststellen, daß die Bedeutungsänderungen unter ethischen Gesichtspunkten überhaupt nicht in die Richtung des heutigen Verständnisses dieses Begriffs gehen. Apologeten des Judaismus meinen, daß die Auslegung der Bibel, die mit den Pharisäern begann und im Talmud festgelegt ist, immer über den wörtlichen Sinn hinausgeht. Die nachfolgend aufgeführten Beispiele zeigen, daß dies von der Wirklichkeit weit entfernt ist.

1. Beginnen wir mit den Zehn Geboten. Das Achte Gebot "Du sollst nicht stehlen" (2. Mose 20, 15) wird als Verbot des "Stehlens" (d.h. der Entführung) einer jüdischen Person verstanden, weil nach dem Talmud - so die Auslegung - alle von den Zehn Geboten verbotenen Handlungen Kapitalverbrechen sind. Das Stehlen fremden Eigentums ist dagegen kein Kapitalverbrechen, und die Entführung von Nichtjuden durch Juden ist durch das talmudische Gesetz erlaubt. Der nahezu gleiche Satz "Ihr sollt nicht stehlen" (3. Mose 19, 11) ist dagegen in seiner wörtlichen Bedeutung zu verstehen.

2. Die bekannte Aussage "Auge um Auge, Zahn um Zahn" usw. (2. Mose 21, 24) wird als "Augengeld für ein Auge" interpretiert, d.h. als die Zahlung einer Geldstrafe und nicht als physische Vergeltung.

3. Hier liegt der bekannte Fall vor, in dem die wörtliche Bedeutung in das genaue Gegenteil verkehrt wird. Der biblische Text warnt eindeutig davor, der Masse bei einem ungerechten Verfahren zu folgen: "Du sollst nicht folgen der Menge zum Bösen und nicht also antworten vor Gericht, daß du der Menge nachgibst und vom Rechten weichest." (2. Mose 23, 2). Die letzten Worte dieses Sinnspruchs "... daß du der Menge nachgibst und vom Rechten weichest" werden aus dem Zusammenhang gerissen und als gerichtliches Gebot, der Mehrheit zu folgen, ausgelegt!

4. Der Vers " ... und sollst das Böcklein nicht kochen in seiner Muttermilch" (2. Mose 23, 19) wird als ein Verbot ausgelegt, jede Art von Fleisch mit Milch oder einem Milchprodukt zu mischen. Da derselbe Vers an verschiedenen Stellen in den fünf Büchern Moses steht, wird die bloße Wiederholung als ein dreifaches Verbot gehalten, das es einem Juden verbietet, (ad 1) solch eine Mischung zu essen, (ad 2) sie zu irgendeinem Zweche zu kochen und (ad 3) sie zu genießen oder auf irgendeine Weise einen Nutzen daraus zu ziehen.

5. "Dein Nächster ", "Fremder" oder sogar "Mensch" werden so verstanden, daß sie eine supra-exklusive chauvinistische Bedeutung haben. Der bekannte Satz "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst (3. Mose 19, 18)" versteht der klassische (und heutige orthodoxe) Judaismus als einen ausdrücklichen Befehl, den nächsten Juden, aber nicht den nächsten Mitmenschen zu lieben. Desgleichen soll der Satz "Du sollst auch nicht stehen wider deines Nächsten Blut" (daselbst, 16) die Bedeutung haben, daß man nicht tatenlos zusehen darf, wenn das Leben (das "Blut") eines Mitjuden in Gefahr ist. Wie wir jedoch noch in Kapitel V ("V Gesetze gegen Nichtjuden") sehen werden, ist es einem Juden allgemein verboten, das Leben eines Nichtjuden zu retten, denn "er ist nicht dein Nächster". Das großzügige Gebot, die Nachlese von Ähren auf einem Feld und in einem Weinberg "dem Armen und Fremdling" zu überlassen (ebenda, 9 und 10) wird so ausgelegt, das sich dies ausschließlich auf jüdische Arme und Konvertiten zum Judentum bezieht. Die Tabu-Gesetze, die für Leichen gelten, beginnen mit dem Vers "Dies ist das Gesetz: Wenn ein Mensch in der Hütte stirbt, soll jeder, der in die Hütte geht, ... unrein sein sieben Tage". (4. Mose 19, 16; Anmerkung des Übersetzers: Nach der Luther-Übersetzung ist das der Vers 14, und nicht Vers 16 wie im englischen Original.) Jedoch hat das Wort "Mensch" (adam) die Bedeutung "Jude", so daß nur ein jüdischer Leichnam tabu (d.h. sowohl "unrein" als auch geheiligt) ist. Nach dieser Auslegung bringen fromme Juden eine tiefe magische Verehrung jüdischen Leichen und jüdischen Friedhöfen entgegen, haben aber keinen Respekt gegenüber nichtjüdischen Leichen und Friedhöfen. So wurden Hunderte moslemischer Friedhöfe in Israel vollständig zerstört (wie in einem Falle, um für das Hilton-Hotel in Tel Aviv Platz zu machen). Es gab aber einen lauten Schrei des Entsetzens, als der jüdische Friedhof am Ölberg unter jordanischer Herrschaft beschädigt wurde. Es gibt zuviele Beispiele dieser Art, als daß man sie anführen könnte. Einige der inhumanen Konsequenzen dieser Art der Auslegung werden in Kapitel V ("V Gesetze gegen Nichtjuden") behandelt.

6. Betrachten wir zum Schluß eine der schönsten prophetischen Passagen, nämlich Jesajas eindrucksvolle Verdammung der Heuchelei und des leeren Rituals sowie seine Ermahnung zu allgemeiner Sittlichkeit. Ein Vers (Jesaja 1, 15) in dieser Passage lautet: "Und wenn ihr schon eure Hände ausbreitet, verberge ich doch meine Augen vor euch; und ob ihr schon viel betet, höre ich euch doch nicht; denn eure Hände sind voll Blut." Da die jüdischen Priester bei der Erteilung des Segens während des Gottesdienstes "die Hände ausbreiten", deutet man diesen Vers so, daß ein Priester, der zufällig ein Tötungsdelikt begeht, für ungeeignet erklärt wird, bei der Segnung "seine Hände auszubreiten" (auch wenn er seine Tat bereute), da sie "voll von Blut sind".

Schon an diesem Beispielen zeigt sich klar, daß, wenn ein orthodoxer Jude heute (oder alle Juden vor etwa 1780) die Bibel lesen (gelesen haben), sie in ein ganz anderes Buch mit einer vollständig anderen Bedeutung als in jene Bibel sehen, wie sie Nichtjuden oder nichtorthodoxe Juden verstehen. Diese Unterscheidung gilt sogar in Israel, obwohl beide Parteien den Text in Hebräisch lesen. Die Erfahrung hat, besonders seit 1967, dies wiederholt erhärtet. Viele nichtorthodoxe Juden in Israel (und anderswo) haben nur wenig detaillierte Kenntnis der jüdischen Religion und versuchen, orthodoxe Israelis (oder stark von Religion beeinflußte Anhänger rechter Parteien) durch Zitieren von Bibelversen in ihrem schlichten menschlichen Sinne zu beschämen, so daß sie ihre inhumane Einstellung gegen die Palästinenser aufgeben. Es stellte sich jedoch immer heraus, daß solche Argumente nicht die geringste Wirkung auf die Anhänger des klassischen Judaismus zeigen. Sie verstehen einfach nicht, was man ihnen sagt, da ihnen der biblische Text etwas ganz anderes bedeutet als den anderen.

Wenn schon solch eine Kommunikationslücke in Israel existiert, wo Menschen hebräisch lesen und sich die richtigen Informationen beschaffen können, kann man sich vorstellen, wie tief im Ausland das Mißverständnis geht, wie etwa bei Menschen, die in der christlichen Tradition aufwuchsen. Je mehr solche Leute die Bibel lesen, desto weniger kennen sie den orthodoxen Judaismus. Letzterer betrachtet das Alte Testament nämlich als einen Text unwandelbarer heiliger Glaubensformeln, die herzusagen eine Handlung von hohem Wert ist, deren Bedeutung aber anderswo vollständig festgelegt wird. Wie schon Humpty-Dumpty zu Alice sagte, steht hinter dem Problem, wer denn die Bedeutung der Wörter festlegen kann, die einfache Frage: "Wer soll der Herr sein?"

 
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Israel Shahak:
(Online)
"Jüdische Religion, Jüdische Geschichte":
Inhaltsverzeichnis: 

A/ 1- Israel - ein Utopia für Auserwählte?

B/ 6- Vorurteile und Verfälschungen

C/ 12- Orthodoxie und Interpretation

D/ 23- Die Bürde der Geschichte

E/ 33- Gesetze gegen Nichtjuden

F/ 49- Politische Konsequenzen






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